Ein schönes Leben trotz Behinderung




Der kleine Chihuahua lebte, mit einigen Geschwistern,  schon einige Tage in einem Tierheim. Dort fiel er durch seine Inkoordination der Bewegungen auf. Diese waren teilweise überschiessender Natur und brach-ten den kleinen Kerl auch mal zu Fall. Reglmäßig bei der Futteraufnahme zeigte er eine stark schwankende Bewegung des ganzen Körpers. Die Feinmotorik, wichtig  um gezielt an das Futter in dem Napf zu kommen, fehlte ihm. Sein Lauf glich dem eines  betrunkenen Gesellen. Alle Anzeichen sprachen für eine Kleinhirnhypoplasie( eine Unterentwicklung des Kleinhirns).

Eine niederschmetternde Diagnose, denn solch eine Unterentwicklung ist in dem Sinne nicht heilbar, obschon betroffene Tiere eine ganz normale Lebenserwartung haben.

                                                                     Freddy gab  sich große  Mühe mit allen anderen mitzuhalten.  Die Prognose für den  Kleinen  war  trotzdem     

                                                                     schlecht, denn wer wollte solch einen Hund? In einem Heim konnte er auf Dauer auch nicht leben, dort lief er

                                                                     täglich Gefahr sich  Kopf und  Glieder auf den  Plattenböden aufzuschlagen. Die Frage nach Maßnahmen zur           

                                                                     Verbesserung seiner Lage stand im Raum.    Ich selbst hatten noch keine Erfahrungen im Umgang mit einem

                                                                     so behinderten Hund. Doch daran konnte ich ja etwas ändern. Und je schneller dieser kleine Kerl Hilfestellung

                                                                     bekam,  umso schneller  würde sich die Möglich- oder Unmöglichkeit  einer positiven  Veränderung  zeigen.


                                                                     Aus unserer  Sicht musste er diese Chance bekommen, ohne dabei das wache Auge auf die Frage zu

                                                                     verlieren: tut man diesem Geschöpf wirklich einen Gefallen damit? Nach reiflicher Überlegung erklärten wir

                                                                     uns bereit dem kleinen Kerl eine Chance auf ein gutes Leben zu bieten.

  

                                                                     Kurz darauf begrüßten unsere Hunde den wackeligen Freddy. Nur einen kleinen Moment lang sorgte das für 

                                                                     fragende Hundegesichter. Doch schon nach ausgiebiger Geruchskontrolle stand fest: der ist ok.

Und von da an war Freddy, trotz seiner manchmal abenteuerlich anmutenden Bewegungen und teilweise unvorhersehbaren Luftsprünge, ein Teil unserer  Gemeinschaft. So einfach war das.

















Jetzt aber ging die Arbeit los. Freddy musste Muskeln aufbauen. Die wichtigste Aufgabe bestand also darin, ihm eine  Umgebung zu bieten, in der er sich bei Stürzen nicht verletzen konnte.  Wir beobachteten ihn sehr genau und fanden schnell heraus, was er benötigte.

Für seinen empfindlichen Kopf entwarf ich einen Schutz aus Stoff. Annelie Puderbach nähte das erste Modell seiner Art. Das war der Durchbruch. Jetzt konnten wir Freddy bedenkenlos mit auf Spaziergänge nehmen. Mit seinem „Helmchen“ und einem Brustgeschirr gesichert konnte er sich bei zuweilen überschießenden Bewegungen nicht verletzen. Das fand Freddy total schön!

Und mit der Zeit  baute er Muskeln auf.  Sein Stand wurde sicherer und im Spiel mit seinen Artgenossen bewies er immer größeres Durchhaltevermögen.

Trotzdem blieb noch der schwankende Gang. Mit der Zeit fiel auf, das er sich mit einem Pullover oder einem Band um den Körper viel sicherer bewegen konnte. Also bekam er eine Art Sicherheitsweste mit Pufferzone genäht. Herrlich weich und erstaunlich wirkungsvoll. Das war der Durchbruch Nr. 2. Denn diese „Weste“ ermöglichte  Freddy nicht nur eine bessere Kontrolle über alle Bewegungsabläufe, sie erlaubte ihm auch aus tief stehenden Näpfen zu fressen und zu trinken! Was für eine Erleichterung!



Natürlich ist und bleibt Freddy behindert. Aber es gibt Möglichkeiten ihm dieses Schicksal zu erleichtern. Und eines können wir ganz sicher sagen: hinter dieser Behinderung steckt ein äußerst kluger Rüde. Ein frecher, kesser, verspielter und zuweilen eifersüchtiger Kerl. Er wägt Situationen  ab und bewältigt widrige  Umstände mit seinen eigenen Ideen.

             

So gestaltete sich für ihn z.B. das gerade Einsteigen in ein Körbchen als sehr schwierig. Denn hob er ein Vorderbein, so wackelten die anderen arg und warfen ihn auch schon mal zur Seite um. Seine Lösung bestand darin: sich umzudrehen  und rück-wärts einzusteigen. Auf gleiche Weise hand-habt er Stufen. Was geradeaus nicht klappt, wird rückwärts oder auch mal seitlich genommen. Was nicht geht, wird so lange ausprobiert, bis es geht. Seine Phantasie scheint da keine Grenzen zu kennen. Ihn in solchen Momenten zu beobachten erstaunt und berührt.







                                                   




                                                           Freddy hat aus unserer Sicht nicht den Anflug von Kummer mit seinem Zustand.

                                                           Er nimmt ihn hin und macht das Beste daraus. Bekommt er Hilfestellung von

                                                                            uns, greift er zu oder lehnt sie strikt ab. Und das ist gut so.

                                                                                                                      Ein wunderbarer Hund!